Homeoffice – Führung auf Distanz

Rubrik: Finanzen und Betriebswirtschaft
Ausgabe: Sep. 2021

Homeoffice_Schreibtisch_Skizze_swAngst vor Kontrollverlust

Während manche Unternehmen seit Jahren Erfahrungen mit Homeoffice, Telearbeit oder Mobile Working gesammelt haben, waren durch den COVID-19 bedingten Lockdown tausende Mitarbeiter und Führungskräfte innerhalb kürzester Zeit gezwungen, vertraute Strukturen umzustellen und von zu Hause aus zu arbeiten. Dies stellte alle Betroffenen vor große Herausforderungen und forderte insbesondere Führungskräfte zu verändertem Tun auf. Bisherige Vorbehalte gegenüber Homeoffice und Mobile Working mussten von einem Tag auf den anderen aufgegeben und teilweise ins Gegenteil verwandelt werden.

Österreich lebt im Vergleich zu anderen Ländern immer noch eine Präsenzkultur am Arbeitsplatz, die Mitarbeitern dann Leistung attestiert, wenn sie im Büro anwesend sind. Somit stellt dieses neue Setting und der daraus resultierende verringerte persönliche Kontakt eine große Herausforderung für das traditionelle Führungsverhalten dar. Führung auf Distanz führt unreflektiert bei vielen Führungskräften zu einem Gefühl des Kontrollverlusts. Diese Angst ist nachvollziehbar, da Führende über Jahre hinweg gelernt haben, Mitarbeiter am Arbeitsplatz zu sehen, jederzeit auf sie zugehen und Arbeitsfortschritte überwachen zu können. Homeoffice und Mobile Working bringen jedoch die Chance, ein modernes Führungsverständnis zu entwickeln, das auf einer positiven Einstellung gegenüber Mitarbeitern basiert.

Studien zufolge führt zwar sowohl machtorientiertes Führen als auch Führen auf Vertrauensbasis bei Beschäftigten zu Kooperationsbereitschaft. Im ersten Fall allerdings aus Angst vor Bestrafung. Durch die sogenannte „erzwungene Kooperation“ werden Aufgaben mit möglichst geringem Aufwand erledigt und Beschäftigte versuchen, Kontrollmaßnahmen zu übergehen. Vertrauensbasiertes Führen hingegen führt zu Kooperation auf freiwilliger Basis und der Bemühung, gute Ergebnisse zu liefern. Dies wiederum erzielt bei Mitarbeitern eine erhöhte Produktivität, Kreativität und größere Zufriedenheit. Die Frage, die wir uns also im Zusammenhang mit Führung auf Distanz stellen müssen, ist, wie eine vertrauensvolle Arbeitskultur hergestellt werden kann, die Mitarbeiter dazu befähigt, eigenverantwortlich zu arbeiten.

Eine Frage des Vertrauens

Voraussetzung für die Herstellung einer vertrauensvollen Arbeitsplatzkultur sind transparente und klar kommunizierte Richtlinien und Vorgaben, die festlegen, wie das jeweilige Team von unterschiedlichen Arbeitsorten zusammenarbeitet. Wichtig dabei ist, dass sich auch Führungskräfte an diese Spielregeln halten. Eine Führungskraft, die die Erwartung hat, dass alle pünktlich zum täglichen Jour Fixe erscheinen und selbst immer fünf Minuten zu spät kommt, verhindert genau diesen Kulturaufbau. Da das klassische „management by walking in“ bei Führung auf Distanz nicht funktioniert, ist es umso wichtiger, dass Ziele, Zuständigkeiten und Deadlines definiert werden. Das bedarf zwar einer intensiveren Kommunikation, soll aber Strukturen schaffen, die dem Eindruck permanenter Kontrolle im Homeoffice entgegenwirken. Im Vergleich zu traditionellen Zielvereinbarungen ist es dabei wichtig, kurz- bis mittelfristige Ziele und regelmäßige Feedbackschleifen festzulegen. Auch diese fallen im Homeoffice in deutlich kürzeren Intervallen aus, als dies im bisherigen Arbeitsalltag erforderlich war.

Interne Kommunikation

Neben Vertrauen stellen klare Kommunikations- und Informationsstrukturen eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Zusammenarbeit im Homeoffice dar.

Gerade weil Kommunikation bei dezentraler Team-Zusammenarbeit wichtiger denn je erscheint, gilt es hier einiges zu beachten. Insbesondere die Vielzahl an Collaboration-Tools kann schnell zu Überforderung bei Beschäftigten führen. Daher ist es wichtig, in Absprache mit dem gesamten Team geeignete Kanäle festzulegen.

Kommunikation darf zudem nicht überbordend sein. So müssen sowohl Beschäftigte als auch Führungskräfte die Möglichkeit haben, sich bewusst „auszuklinken“, um ungestört und fokussiert einer Aufgabe nachgehen zu können. Im Gegensatz zu einem klassischen Büroalltag, wo ersichtlich ist, wenn Kollegen konzentriert an einer Aufgabe arbeiten, ist diese Einschätzung mit Blick auf den Heimarbeitsplatz nur schwer möglich.

Tipp:

Damit die Zusammenarbeit remote funktioniert, ist essentiell, dass nicht die Person und deren Anwesenheit kontrolliert wird, sondern das Endergebnis.

 

 

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