Schuster, bleib bei deinen Leisten

Rubrik: Recht allgemein
Ausgabe: Sep. 2021

Eine Mieterin bat ihren Vater um den Gefallen, in der von ihr gemieteten Wohnung eine Küchenarmatur zu montieren. Sie informierte die Hausverwaltung, dass ihr Vater den Einbau vornehmen würde. Dabei wurde nicht thematisiert, ob der von ihr als Handwerker ausgewählte Vater dazu fachlich in der Lage sei. Der Vater der Mieterin war zwar handwerklich geschickt, doch verfügte er nicht über Fachkenntnisse aus dem Bereich der Sanitärtechnik. So fiel ihm auch nicht auf, dass er anstelle einer notwendigen Niederdruckarmatur eine Hochdruckarmatur verbaute. Nach dieser Montage trat nach einer gewissen Zeit Wasser aus, welches nicht nur die Wohnung der Mieterin beschädigte, sondern auch andere Wohnungen im Haus.

Installateur_HeizkesselDie Schäden wurden der Versicherung gemeldet und diese klagte den Vater, weil er ohne nötiges Know-how die Montage der (nicht tauglichen) Armatur vorgenommen hat. Er wendete ein, dass er diese Arbeit nur seiner Tochter zuliebe gemacht habe, kein Entgelt verlangt habe und ohne über die Kenntnisse eines Installateurs zu verfügen auch nicht hätte prüfen oder erkennen müssen, dass das verbaute Modell der Armatur ungeeignet war. Er brachte auch vor, dass der Einbau der Armatur in die Erhaltungspflicht der Vermieterin falle und die Hausverwaltung diese Einbauarbeit seiner Tochter - und damit ihm - übertragen habe.

Im laufenden Verfahren gab das befasste Erstgericht zu bedenken, dass jemand über die notwendigen Fachkenntnisse verfügen muss, wenn er solche Gefälligkeiten macht und das Zweitgericht sprach aus, dass es allgemein bekannt ist, dass unfachmännisch ausgeführte Arbeiten an Wasserleitungssystemen Undichtheiten mit sich bringen können und auch den Austritt großer Wassermengen herbeiführen können.

Der Oberste Gerichtshof (OGH) sprach in seiner Entscheidung 4 Ob 17/21k vom 23.2.2021 aus, dass der Vater der Mieterin nicht deshalb haftet, weil ihm nicht aufgefallen ist, dass die von ihm verbaute Armatur nicht das richtige Modell war. Seine Haftung ist laut OGH darin begründet, dass er als Nichtfachmann ohne die notwendigen Fachkenntnisse den Einbau der Armatur gar nicht hätte vornehmen dürfen.

Der Vater haftete daher auch den Eigentümern der vom Wasseraustritt in Mitleidenschaft gezogenen Wohnungen, weil er die Installation ausführte, ohne über die nötigen Fachkenntnisse zu verfügen.

Daher tut jemand gut daran, in Fachbereichen, für welche keine Ausbildung bzw kein Know-how vorhanden ist, Arbeitsanfragen in solchen Fachgebieten abzulehnen! So wird verhindert, dass man einige Zeit später mit einer Haftung für allfällige Folgeschäden konfrontiert wird. Es macht sich also in jeder Hinsicht bezahlt, sich für eine fachmännische Ausführung von Arbeiten an einen Professionisten zu wenden.

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