Verlustrücktrag und COVID-19-Rücklage

Rubrik: Steuerrecht
Ausgabe: Nov. 2020

Geldboerse_Scheine_HandErwirtschaftet ein Unternehmer in einem Jahr einen Verlust, kann er diesen im Regelfall in Folgejahre mitnehmen und gegen künftig erzielte Gewinne verrechnen. Der Liquiditätsvorteil aus der steuerlichen Verlustverwertung stellt sich daher erst mit Verzögerung bzw dann ein, wenn der Unternehmer wieder Gewinne macht. Um während der Coronakrise Unternehmern diesen Liquiditätsvorteil rascher zukommen zu lassen, wurde mit dem Konjunkturstärkungsgesetz 2020 die Möglichkeit eines Verlustrücktrages geschaffen.

Die Idee hinter dieser Maßnahme ist: Wer bislang Gewinne erwirtschaftet hat und aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie im heurigen Jahr voraussichtlich einen Verlust erzielen wird, soll diesen Verlust schon mit den Gewinnen aus den Jahren 2019 und 2018 verrechnen können und somit früher zu seiner Steuerentlastung kommen.

Um Verluste aus dem Jahr 2020 möglichst rasch steuerlich verwerten zu können, wurde die sogenannte COVID-19-Rücklage geschaffen.
Voraussetzung für die Beantragung dieser Rücklage ist ein positiver Gesamtbetrag der Einkünfte im Jahr 2019 sowie ein voraussichtlicher Verlust im heurigen Jahr. Liegen diese Voraussetzungen vor, kann eine COVID-19-Rücklage in zwei Varianten beantragt werden:

In beiden Fällen darf die Rücklage den Betrag von € 5 Millionen nicht übersteigen.

Die beantragte COVID-19-Rücklage wird sodann vom Gesamtbetrag der Einkünfte des Jahres 2019 abgezogen und vermindert somit bereits die Steuerlast für 2019. Die Rücklage kann auch beantragt werden, wenn die Veranlagung 2019 schon erfolgt ist. Bei der Veranlagung des Jahres 2020 ist diese Rücklage dann dem Gesamtbetrag der Einkünfte hinzuzurechnen, damit es zu keiner Doppelverwertung der Verluste kommt.

Wer für das Jahr 2019 noch keine Steuererklärung abgegeben hat, kann nachträglich eine Herabsetzung der Vorauszahlungen an Einkommen- bzw Körperschaftsteuer für 2019 beantragen, wenn die Voraussetzungen der Berücksichtigung einer COVID-19-Rücklage vorliegen.

Endet das Jahr 2020 (trotz der Hinzurechnung der COVID-19-Rücklage) mit einem Verlust, kann dieser bis zu einem Maximalbetrag von € 5 Millionen auf das Jahr 2019 rückgetragen werden. Ein danach noch verbleibender Verlust kann bis zu € 2 Millionen sogar auf das Jahr 2018 rückgetragen werden. Verbleibende Restverluste können – nach derzeitiger Rechtslage – allerdings erst ab dem Veranlagungsjahr 2021 abgezogen werden.

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