Degressive Abschreibung

Rubrik: Steuerrecht
Ausgabe: Nov. 2020

Haus_Muenzstapel_HandZur Bekämpfung der negativen Folgen der Corona-Pandemie im Bereich der Wirtschaft hat der Nationalrat nicht nur eine Reihe an Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen für betroffene Unternehmen beschlossen, sondern auch Anreize für verstärkte Investitionen gesetzt. Neben der Investitionsprämie ist dies vor allem die Möglichkeit der degressiven Abschreibung für ab dem 2. Halbjahr 2020 angeschaffte Wirtschaftsgüter.

Bislang kannte das österreichische Steuerrecht nur die sogenannte lineare Absetzung für Abnutzung. Das bedeutet, dass die Anschaffungs- und Herstellungskosten von abnutzbaren Wirtschaftsgütern gleichmäßig verteilt auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzusetzen sind. Dies hat zur Folge, dass sich eine Investition nur schrittweise steuerlich auswirkt. Je länger die Nutzungsdauer angenommen wird, desto größer die Verzögerung der steuerlichen Wirksamkeit der Investition. Wer etwa schätzt, die neuen Büromöbel 10 Jahre nutzen zu können, und die Anschaffungskosten daher im Wege der Absetzung für Abnutzung auf 10 Jahre verteilt, hat erst nach diesem langen Zeitraum den vollen Steuervorteil lukriert. Noch extremer fällt diese Zeitspanne bei Gebäudeinvestitionen aus, da das Gesetz hier im Regelfall Nutzungsdauern von 40 bis 67 Jahren vorsieht.

Um Investitionen steuerlich attraktiver zu machen, wurde im vergangenen Sommer mit dem Konjunkturstärkungsgesetz 2020 nun die Möglichkeit einer degressiven Abschreibung geschaffen. Was ist darunter zu verstehen? Anstelle einer gleichmäßigen (linearen) Verteilung der Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer können jedes Jahr bis zu 30% des jeweiligen Buchwertes abgeschrieben werden. Auf diese Weise kann die Investition wesentlich schneller steuerlich verwertet werden.

Im ersten Jahr der Nutzung können daher maximal 30% der Anschaffungs- oder Herstellungskosten abgeschrieben werden. Wird das Wirtschaftsgut weniger als 6 Monate im Geschäftsjahr genutzt, dann können im ersten Jahr nur maximal 15% abgeschrieben werden. In den Folgejahren können dann maximal 30% vom verbleibenden Buchwert abgeschrieben werden. Die Abschreibung ist also in den ersten Jahren der Nutzung höher und reduziert sich in jedem Jahr der Betriebszugehörigkeit. Sobald die Abschreibung geringer wird, als bei Zugrundelegung der linearen Abschreibung, kann der dann verbleibende Restbuchwert auf die Restnutzungsdauer verteilt linear abgeschrieben werden.

Von der degressiven Abschreibung kann mit Beginn eines jeden Wirtschaftsjahres zur linearen Abschreibung gewechselt werden. Ein Übergang von der linearen zur degressiven Abschreibung ist jedoch nicht zulässig.

Diese Abschreibungsform kann grundsätzlich für alle nach dem 30. Juni 2020 angeschafften Wirtschaftsgüter angewendet werden. Ausgenommen sind jedoch:

Für Gebäudeinvestitionen besteht eine Sonderregelung:

Anschaffungs- bzw Herstellungskosten von Gebäuden sind aufgrund gesetzlicher Regelung grundsätzlich auf 40 Jahre (2,5% pro Jahr) verteilt abzuschreiben, sofern eine kürzere Nutzungsdauer nicht nachgewiesen werden kann. Bei Gebäuden, die für Wohnzwecke überlassen werden, beträgt die gesetzliche Nutzungsdauer sogar 67 Jahre (1,5% pro Jahr).

Im Zuge der Einführung der degressiven Abschreibung wurden Gebäude zwar ausgenommen, allerdings wurde eine eigene Erleichterung geschaffen. So darf im ersten Jahr der Nutzung der dreifache und im zweiten Jahr der doppelte Prozentsatz der gesetzlich zulässigen Abschreibung angesetzt werden. Für Betriebsgebäude bedeutet das einen AfA-Satz von 7,5% im ersten und 5% im zweiten Jahr. Bei Wohngebäuden erhöhen sich diese Sätze entsprechend auf 4,5% (1. Jahr) bzw 3% (2. Jahr). Diese Regelung gilt für nach dem 30. Juni 2020 angeschaffte bzw hergestellte Gebäude.

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