Kleinunternehmer im Umsatzsteuerrecht

Rubrik: Steuerrecht
Ausgabe: Nov. 2019

Wer als Unternehmer in Österreich Lieferungen oder Dienstleistungen gegen Entgelt ausführt, schuldet dafür Umsatzsteuer. So lautet der Regelfall. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Ausnahmen, die zur Umsatzsteuerfreiheit einer Leistung führen können. Eine dieser Ausnahmen orientiert sich am Gesamtumsatz eines Unternehmers im Kalenderjahr, die sogenannte Kleinunternehmerbefreiung.

Baecker_mit_BrotenErreicht ein Unternehmer mit seinen Umsätzen in einem Jahr maximal die Grenze von € 30.000,--, gilt er gemäß Umsatzsteuergesetz als Kleinunternehmer. Diese Eigenschaft beschert ihm eine sogenannte unechte Umsatzsteuerbefreiung. Das bedeutet, dass er seinen Kunden für seine Leistungen keine Umsatzsteuer verrechnen muss. Andererseits ist ihm aber auch der Vorsteuerabzug verwehrt. Das heißt, dass er die von ihm für Vorleistungen bezahlte Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer abziehen kann.

Betragsgrenze

Die im Gesetz angeführte Umsatzgrenze von derzeit noch € 30.000,-- pro Jahr ist als Nettogrenze zu verstehen. Das bedeutet, dass man aus den tatsächlich erzielten Einnahmen die Umsatzsteuer, die im Normalfall dafür zu entrichten wäre, herausrechnen darf.

Dazu ein Beispiel: Ein mobiler Friseur erwirtschaftet im Jahr 2019 Einnahmen von insgesamt € 33.000,--. Die Leistungen eines Friseurs unterliegen in der Regel dem Normalsteuersatz von 20%. Rechnet man nun aus dem Gesamtbetrag der Einnahmen die fiktive Umsatzsteuer (€ 5.500,--) heraus, verbleibt ein Betrag von € 27.500,--, der für die Beurteilung der Kleinunternehmereigenschaft heranzuziehen ist. Da der Wert die Grenze von € 30.000,-- nicht übersteigt, gilt der Friseur als Kleinunternehmer.

Überschreitet ein Unternehmer in einem Kalenderjahr diese Grenze, fällt die Steuerbefreiung automatisch und rückwirkend für das gesamte Kalenderjahr weg. Dies ist vor allem dann nachteilig, wenn der Unternehmer überwiegend Privatpersonen als Kunden hat, denen man die Umsatzsteuer später nicht nachverrechnen kann. Man sollte daher schon zu Beginn jedes Jahres die Umsatzentwicklung abschätzen und gegebenenfalls rechtzeitig damit beginnen, Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen.

Doch auch hier gibt es eine kleine Ausnahme: Einmal in fünf Jahren darf die Grenze um maximal 15% überschritten werden, ohne dass die Befreiung wegfällt.

Vorteil – Nachteil der Befreiung

Die Umsatzsteuerbefreiung bringt vor allem solchen Unternehmern Vorteile, die überwiegend Privatpersonen als Kunden haben. Hier kann durch den Wegfall der Umsatzsteuer entsprechend billiger angeboten werden, bzw verbleibt bei gleichen Preisen mehr beim Unternehmer. Auch der Entfall von regelmäßigen Umsatzsteuervoranmeldungen bzw der Jahreserklärung erspart dem Unternehmer etwas an Verwaltungsaufwand.

Als Nachteil sind hier vor allem Investitionen anzuführen. Da dem Kleinunternehmer ja die Möglichkeit zum Vorsteuerabzug verwehrt ist, muss er für Anschaffungen den Bruttopreis kalkulieren. Er kauft somit teurer ein als ein Unternehmer ohne Umsatzsteuerbefreiung. Ist einem Unternehmer dieser Nachteil zu massiv, kann er auf die Befreiung aber auch verzichten.

Verzicht auf die Befreiung

Die Kleinunternehmerbefreiung muss vom Unternehmer nicht beantragt werden. Sie gilt ganz automatisch, wenn die Umsätze in einem Jahr den Grenzbetrag nicht übersteigen. Will ein Unternehmer diese Befreiung aber nicht in Anspruch nehmen, weil er die Besteuerung nach den allgemeinen Regeln für vorteilhafter ansieht, muss er auf die Befreiung ausdrücklich verzichten. Diese Verzichtserklärung kann der Unternehmer bis zur Rechtskraft des Umsatzsteuerbescheides eines Jahres abgeben. Tut er das, muss er für seine Umsätze ganz normal Umsatzsteuer abführen und darf sich die Vorsteuern entsprechend abziehen.

Nachteil des Verzichts: Man ist zumindest fünf Kalenderjahre daran gebunden. Diese Regelung soll verhindern, dass jedes Jahr gewechselt wird, um Steuervorteile zu optimieren. Ebenso wie der Verzicht, muss auch der Widerruf des Verzichtes ausdrücklich erklärt werden. Allerdings steht dafür nur eine sehr begrenzte Frist zur Verfügung: So muss der Widerruf bis spätestens Jänner des Jahres erklärt werden, für das er gelten soll. Wer darauf vergisst, ist ein weiteres Jahr an die Regelbesteuerung gebunden.

Neue Betragsgrenze ab 2020

Die Umsatzgrenze, bis zu der die Kleinunternehmerbefreiung gilt, wurde durch das Steuerreformgesetz 2020 mit Wirkung ab kommenden Jahr auf € 35.000,-- angehoben. Die neue Grenze gilt für Umsätze, die nach dem 31. Dezember 2019 ausgeführt werden. Die Möglichkeit, die Grenze einmal in fünf Jahren um nicht mehr als 15% zu überschreiten, bleibt unverändert erhalten.

Tipp:

Falls Sie Kleinunternehmer sind und heuer möglicherweise die Umsatzgrenze überschreiten werden, versuchen Sie, Einnahmen ins nächste Jahr zu verschieben! Durch die Anhebung der Grenze auf € 35.000,-- ab 2020 haben Sie im neuen Jahr mehr Spielraum.

Seite drucken | zurück