Geringwertige Wirtschaftsgüter

Rubrik: Steuerrecht
Ausgabe: Nov. 2019

Wer für sein Unternehmen in Wirtschaftsgüter investiert, die er über mehrere Jahre verwenden kann, muss die Anschaffungskosten in der Regel auf die Nutzungsdauer der Investition verteilen. Eine Ausnahme bilden die sogenannten Geringwertigen Wirtschaftsgüter. Sie dürfen im Jahr der Anschaffung sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden.

Sparschwein_MuenzenDas Einkommensteuergesetz sieht vor, dass Investitionen in abnutzbares Anlagevermögen nicht sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden dürfen. Vielmehr muss der Unternehmer die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer seiner Investition ermitteln und die Anschaffungs- bzw Herstellungskosten dann auf diese Nutzungsdauer verteilen.

Wer also etwa eine Maschine um € 10.000,-- kauft und diese voraussichtlich 5 Jahre in seinem Unternehmen nutzen kann, darf – beginnend im Anschaffungsjahr – 5 Jahre lang jedes Jahr € 2.000,-- als Betriebsausgabe absetzen. Das hat einerseits den Vorteil, dass die Betriebsausgaben der Nutzung des Anlageguts im Betrieb entsprechen und vor dem Hintergrund des progressiven Steuertarifs zu einer gleichmäßigen Besteuerung beitragen. Andererseits muss der Unternehmer recht lange warten, bis sich die Investition auch in einer Steuerersparnis niederschlägt.

Von dieser Grundregel kennt das Gesetz eine wesentliche Ausnahme, die sogenannten Geringwertigen Wirtschaftsgüter, kurz GWG genannt. Übersteigen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines abnutzbaren Anlagegutes eine bestimmte Betragsgrenze nicht, dürfen die gesamten Kosten sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Diese Betragsgrenze liegt derzeit noch bei € 400,--, wobei die Umsatzsteuer nicht mitzurechnen ist. Nur bei Unternehmern, die nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, ist die Betragsgrenze als Bruttowert zu verstehen.

Da die Anschaffung derartiger GWG zu einer sofortigen Betriebsausgabe führt, erfreuen sie sich bei Unternehmern großer Beliebtheit. Man muss jedoch achtgeben: Wirtschaftsgüter, die nach ihrem wirtschaftlichen Zweck eine Einheit bilden, dürfen nicht in ihre Einzelteile zerlegt werden, um die Grenze von € 400,-- zu unterschreiten. Wer also etwa einen Schreibtisch für sein Büro anschafft, darf diesen nicht in seine Bestandteile (Tischplatte, Füße, Ladenfronten, Beschläge etc) zerlegen und jeden Teil als GWG behandeln. Andererseits kann man mehrere Gegenstände, die zwar gemeinsam gekauft werden, aber unabhängig voneinander benutzbar sind, sehr wohl als GWG behandeln (zB mehrere Stühle für ein Büro).

Das Steuerreformgesetz 2020 sieht ab kommendem Jahr eine Anpassung der Betragsgrenze vor. Künftig sollen Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten bis € 800,-- statt bisher € 400,-- als Geringwertige Wirtschaftsgüter gelten. Bei Wirtschaftsjahren, die vom Kalenderjahr abweichen, gilt die Neuregelung jedoch erst für solche Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2019 beginnen. Mit der Neuregelung wurde die Betragsgrenze zwar verdoppelt, die letzte Anpassung liegt aber immerhin schon 18 Jahre zurück: Bereits im Jahr 2002 wurde sie von S 5.000,-- geringfügig auf € 400,-- erhöht.

Tipp:

Falls Sie eine Investition planen, die zwischen € 400,-- und € 800,-- liegt, sollten Sie überlegen, diese ins kommende Jahr zu verschieben. Mit Wirkung ab 2020 wurde die Grenze für Geringwertige Wirtschaftsgüter auf € 800,-- angehoben.

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