Die Einkommensteuer-Vorauszahlung

Rubrik: Steuerrecht
Ausgabe: Sep. 2019

Sie begleiten jeden Unternehmer sein Unternehmerleben lang und sorgen vier Mal im Jahr für einen finanziellen Aderlass: die Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer. Doch deren Höhe ist nicht in Stein gemeißelt und kann bzw sollte den tatsächlichen Einkommensverhältnissen entsprechen. Damit auch keine Zahlung vergessen wird, gibt es ab sofort eine Erleichterung bei der Überweisung.

Sparschwein_TaschenrechnerWelcher Unternehmer kennt sie nicht, die vierteljährlichen Benachrichtigungen über die Einkommensteuer-Vorauszahlung. Doch oft fragt man sich, wie deren Höhe zustande kommt und ob man überhöhte Beträge nicht herabsetzen kann. Die Antwort vorweggenommen: Man kann. Aber natürlich nicht beliebig, denn die Vorauszahlungen sollen schließlich im Idealfall genau jener Steuer entsprechen, die der Unternehmer für sein Einkommen in diesem Jahr entrichten muss. Oder anders gesagt, der für dieses Jahr ergehende Einkommensteuerbescheid führt im Idealfall weder zu einer Nachforderung noch zu einer Gutschrift. Das ist natürlich nur äußerst selten der Fall, denn wer kennt sein Einkommen schon centgenau im Voraus? Doch wie legen die Finanzämter nun die Höhe der Vorauszahlungen fest?

Am Beginn einer Unternehmerlaufbahn setzt die Behörde die Höhe der Vorauszahlungen aufgrund einer Selbsteinschätzung des Steuerpflichtigen fest. Gibt man dem Finanzamt die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit oder einer Vermietung bekannt, wird man aufgefordert, den voraussichtlichen Gewinn für die ersten beiden Jahre der Tätigkeit anzugeben. Aufgrund dieser Schätzung ermittelt das Finanzamt dann die voraussichtliche Einkommensteuer und schreibt diese mittels Vorauszahlungsbescheid vor.

Der Jahresbetrag ist dann grundsätzlich in vier gleich großen Teilbeträgen jeweils zur Mitte der Monate Feber, Mai, August und November zu entrichten. Ändert sich jedoch der Jahresbetrag nach Ablauf eines dieser Zahlungstermine, kommt es bei der nächsten Fälligkeit zum Ausgleich. Mit dem sogenannten „Ausgleichsviertel“ wird entweder das zurückgezahlt, was in den vorangegangenen Quartalen zu viel entrichtet wurde, oder es muss der Minderbetrag nachgezahlt werden. Erhält ein Unternehmer beispielsweise im September seinen ersten Vorauszahlungsbescheid, muss der gesamte Jahresbetrag im 4. Quartal entrichtet werden.

Wurde ein Vorauszahlungsbescheid erlassen, bleibt dieser solange in Geltung, bis er durch einen neuen ersetzt wird. Neue Bescheide ergehen entweder automatisch im Gefolge einer Einkommensteuerveranlagung oder auf Antrag des Steuerpflichtigen.

Automatische Anpassung:

Erlässt das Finanzamt einen Einkommensteuerbescheid, kommt es zu einer automatischen Anpassung der Vorauszahlungen für das laufende Jahr. Ausgangspunkt dieser Anpassung ist die festgesetzte Einkommensteuer im aktuellen Einkommensteuerbescheid. Dieser Betrag wird dann um 4% angehoben und auf ganze Euro gerundet und bildet so den neuen Vorauszahlungsbetrag. Betrifft der Einkommensteuerbescheid allerdings nicht das Vorjahr, sondern liegt weiter zurück, so erfolgt für jedes weitere Jahr eine Anhebung der Vorauszahlungen um weitere 5 Prozentpunkte.

Beispiel:

Wird das Jahr 2018 im Juni 2019 veranlagt, so wird der maßgebliche Steuerbetrag für die Vorauszahlungen 2019 um 4% angehoben. Betrifft die Veranlagung jedoch das Jahr 2017, so erfolgt eine Anhebung um 9%. Damit unterstellt der Gesetzgeber ein kontinuierliches Anwachsen der Unternehmergewinne.

Antrag:

Da die Realität jedoch oft anders aussieht, hat jeder Steuerpflichtige die Möglichkeit, sich gegen derartige Anpassungen zu wehren. Innerhalb der Rechtsmittelfrist von einem Monat ab Zustellung des Vorauszahlungsbescheides kann Beschwerde dagegen eingebracht werden. Außerhalb der Rechtsmittelfrist kann ein Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen gestellt werden. Dies wird immer dann Sinn machen, wenn der für das laufende Jahr erwartete Gewinn deutlich von den festgesetzten Vorauszahlungen abweicht.

Aber Achtung: Für das laufende Jahr muss ein derartiger Antrag bis spätestens 30. September gestellt werden. Wer zu lange wartet, kann die Vorauszahlungen für das laufende Jahr nicht mehr ändern und muss für eine allfällige Steuergutschrift auf die Jahresveranlagung warten. Aber auch das Finanzamt kann nach dem 30. September von Amts wegen keine Änderungen der Vorauszahlungen für das laufende Jahr mehr vornehmen.

Eine kleine Erleichterung für die Bezahlung der Vorauszahlungen hat der Finanzminister mit Wirkung ab 1. Juli 2019 geschaffen. Aufgrund einer an diesem Tag in Kraft getretenen Verordnung besteht nun die Möglichkeit, der Finanzverwaltung ein SEPA-Lastschriftmandat zu erteilen. Tut man dies, werden alle fälligen Vorauszahlungen an Einkommensteuer in der jeweiligen Höhe termingerecht vom Bankkonto des Unternehmers abgebucht. Sofern das Konto über ausreichende Deckung verfügt, kann somit keine Zahlung mehr vergessen werden. Um ein SEPA-Lastschriftmandat zu erteilen, muss der Unternehmer in seinen persönlichen FinanzOnline-Zugang einsteigen. Unter dem Menüpunkt „Anträge“ findet sich ein Unterpunkt „SEPA-Lastschriftmandat“, mit dem unter Angabe seiner IBAN einfach eine Einziehungsermächtigung für Einkommensteuer-Vorauszahlungen erteilt werden kann. Genauso einfach wie die Erteilung, kann auch der Widerruf erfolgen. Das entsprechende Feld ist unter demselben Menüpunkt zu finden.

Tipps:

Überprüfen Sie, ob Ihr voraussichtliches Einkommen 2019 den aktuellen Vorauszahlungen halbwegs entspricht. Stellen Sie ein krasses Missverhältnis fest, beantragen Sie bis spätestens 30. September eine Anpassung des Vorauszahlungsbetrages!

Mussten Sie schon einmal einen Säumniszuschlag bezahlen, weil Sie die Einkommensteuer-Vorauszahlung ein paar Tage zu spät oder in falscher Höhe entrichtet haben? Oder wollen Sie ganz einfach an vier Zahlungstermine im Jahr weniger denken müssen? Dann erteilen Sie Ihrem Finanzamt ein SEPA-Lastschriftmandat für die Vorauszahlungen! Einfach über Ihren persönlichen Finanz Online-Zugang erfassen!

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